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ARTUS Tour 2019

SCHANDMAUL und VROUDENSPIL

Handgemachter Rock mit folkigen und mittelalterlichen Klangfarben.
Donnerstag
24.10.
2019

Auf den ersten Blick haben Schandmaul ein Luxusproblem: Die Erwartungshaltung gegenüber ihrem neuen Studioalbum „Artus“ ist hoch. Für dessen Vorläufer „Traumtänzer“ (2011) und „Unendlich“ (2014) gab es jeweils bereits Gold, während der direkte Vorgänger „Leuchtfeuer“ (2016) sich ebenfalls auf dem besten Weg zum Edelmetall befindet und erstmals in der Bandgeschichte auf den ersten Platz der deutschen Album-Charts kletterte.

Doch bei genauerer Betrachtung gehen die Folklore-Rocker aus München auf „Artus“ derart unbeschwert zur Sache, als ob keinerlei Druck auf ihren Schultern gelastet hätte. Bereits die Eröffnung mit „Meisterdieb“ erweist sich als kluger Schachzug. Schlagzeug und Sackpfeife simulieren im Intro erfolgreich einen Elektro-Loop und gehen dann in eine von rhythmischen Gitarren unterstützte Melodielinie über. Schandmaul spielen in diesem Song all ihren Stärken gekonnt aus und der Text erweist sich als spannende Vignette mit dem eponymen Protagonisten als Erzähler. Sänger Thomas Lindner hat sich längst zu einem grandiosen Geschichtenerzähler entwickelt, der es scheinbar mühelos schafft, Weltliteratur wie Herman Melvilles „Moby Dick“ in dem finalen Stück „Der Weiße Wal“ in wenigen Minuten in seiner Essenz zu erfassen. Doch auch musikalisch stiehlt der „Meisterdieb“ die Herzen, indem der Mid-Tempo-Rocker mit einer bestechenden Drehleiermelodie aufwartet. Ebenso wie bei der folgenden Gute-Laune-Nummer, bei der die studierte Musikerin Birgit Muggenthaler-Schmack einmal mehr mit ihren Künsten brilliert, fällt auf, wie sich die alten Instrumente dem Song unterordnen, statt als Selbstzweck zu hausieren. An diesem Klangbild wurde gefeilt.

Eine weitere musikalische Facette offenbart Birgit Muggenthaler-Schmack, die mit einer spöttischen Flöte auch der ebenso augenzwinkernden wie letztlich nachdenklichen Polka „Der Totengräber“ ihren genialen Stempel aufdrückt. Spätestens die Seemannsballade „Der Kapitän“, dessen emotionales Finale mit Soloeinsätzen von Sackpfeife und Violine geformt wird, verdeutlicht, über welche enorme stilistische Bandbreite Schandmaul mittlerweile verfügen.

Nach ersten Kneipenkonzerten nahm die Truppe ihr erstes Album „Wahre Helden“ (1999) auf, welches ebenso wie der Nachfolger „Von Spitzbuben und anderen Halunken“ (2000) zunächst im Eigenvertrieb erschien. Die schnell wachsende Popularität der Bajuwaren mit Bremer Sänger sorgte bald dafür, dass sowohl Booking-Agenturen als auch Plattenfirmen auf Schandmaul aufmerksam wurden, zumal die Gruppe im Jahr 2000 obendrein den deutschen Folkförderpreis erhalten hatte. Mit ihrem professionell veröffentlichten Drittwerk „Narrenkönig“ stießen Schandmaul sogleich auf Platz 70 der deutschen Album-Charts vor. Mit jedem folgenden Album erreichten die Münchner seitdem eine höhere Platzierung: „Wie Pech & Schwefel“ (2013) landete auf Platz 13, „Mit Leib und Seele“ (2006) knackte bereits die Top 10 (10) und „Anderswelt“ (2008) setzte den Aufwärtstrend auf der Nummer 8 fort. Ähnliche Erfolge waren den drei Live-Alben vergönnt.

Mit „Artus“ demonstrieren Schandmaul einmal mehr ihr über die vielen Jahre organisch gewachsenes Können. Dabei hilft vermutlich auch der ungewöhnliche Umstand, dass der Kern der Band noch immer aus seinen Gründungsmusikern besteht, zu denen Sänger Thomas Lindner, Birgit Muggenthaler-Schmack als Spezialistin für alte Blasinstrumente, Saitenmann Martin Christoph „Ducky“ Duckstein und Stefan Brunner am Schlagzeug zählen. Doch selbst „Neuzugang“ Matthias „Hiasl“ Richter am Bass ist schon seit dem Jahr 2002 mit von der Partie. Einzig Violinistin Saskia Forkert trat erst im Jahr 2018 die Nachfolge von Gründungsmitglied Anna Katharina Kränzlein an, nachdem die Band sich ein Jahr lang mit befreundeten Gastmusikern wie Ally Storch (Subway to Sally), die große Teile der Geigenarbeit auf „Artus“ übernahm, behalf.

Letztlich bildet jeder Song auf „Artus“ eine engmaschige Einheit aus Musik und Wort, wobei dieser musikalische Bilderteppich aus vielerlei Klangfarben zu einem makellosen Gesamtbild verwoben ist. Dabei darf natürlich ein traditionelles Epos nicht fehlen, wie beispielsweise die wiederholte Rückkehr zum Lied der Nibelungen und dem Drachentöter Siegfried auf vorherigen Alben. Ihrem Helden, dem Britenheroen Artus, widmen Schandmaul drei Songs ihres neuen Werks: „Die Tafelrunde“, „Der Gral“ und „Die Insel - Ynys Yr Afallon“. Es braucht keineswegs Merlins prophetische Gabe, um vorherzusehen, dass mit diesem epischen Meisterwerk ein neuer Fan-Favorit für die kommenden Live-Auftritte an die Pforten von „Camelot“ und anderen Konzerthallen klopft.

Photocredit: Robert Eikelpoth/Mark Freier

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